Die Suche

Tom Brown Jr.

„Sucht die Wildnis, denn dort ist Frieden!“
„Ich weiß, es gibt einen Ort, wo alles in Harmonie lebt. Nichts wird geneidet, gestohlen oder getötet. Stattdessen wird alles geteilt. Das Land gehört jedem und niemandem. Leben ist dort heilig. Ein Bewohner dieses Ortes wertschätzt das menschliche Leben, weil er so nahe an der Erde lebt. Er versteht seinen Anteil am Plan der Natur und ist nicht verloren oder auf der Suche nach sich selbst. An diesem Ort schläft der Mensch einfach ohne Angst und erwacht, um den Tag mit Lob statt mit Flüchen zu begrüßen. Manchmal wandert er durch das Land, aber nie ohne Sinn…Alles ist wertvoll an diesem Ort…Alles hat seine Bestimmung und wird respektiert. Das Wasser in den Bächen ist sauber…Die Vögel, der Wind und das rauschen des Wassers sind die einzige Musik, außer den Liedern, die spontan in der Herzen der Menschen entstehen…Augen und Hände, Mund und Körper sind die einzige Form der Kommunikation. An diesem Ort muss man sich anschauen um miteinander reden zu können. Dort sind keine Falschheit, keine Verrat und kein Neid. Es gibt nur Brüderlichkeit und Wahrheit. Schmerz und Tod sind da weil sie zum Leben gehören. Nur ist dort der Schmerz natürlich. Er ist nicht vom Menschen zugefügt, sondern entsteht aus der natürlichen Lebensordnung. Er schwächt nicht, sondern lehrt. Er unterdrückt nicht, sondern befreit. Tod ist dort das natürliche Ende und der übernatürliche Anfang…Der große Geist (Gott) hat diesen Ort geschaffen…ein Ort, wo der Mensch nackt und ohne Scham ist…Ich weiß, es gibt Veränderung an diesem Ort. Die Jahreszeiten ändern sich…der Mensch wird geboren, wächst heran und stirbt mit einem Lächeln auf den Lippen und Frieden im Herzen. Wo ist dieser Ort? Gibt es ihn wirklich? – Ja. Er ist in mir und kann auch in dir sein. Es ist ein Geisteszustand, es ist ein Bewusstsein, es ist eine Wertschätzung, es ist ein Verständnis, es ist eine Verpflichtung für das Leben. Es ist die Wahrnehmung, dass alles, was ich beschrieben habe, uns jeden Tag unseres Lebens umgibt, ohne dass wir es bemerken. Wir sind blind für die Schönheit eines Sonnenunterganges, taub für die Musik des Windes, gefühllos für raue Borke und weiches Gras. Wir sprechen von Verkäufen und Krieg, anstatt Lieder des Lebens zu singen. Wir schmecken die Bitterkeit der Umweltverschmutzung und verpassen die Süße des wilden Geißblattes. Wir riechen Busabgase, aber nie die Apfelblüten oder Kleeblumen. Durch unsere Prägung sind wir in einer Welt aus Stahl und Plastik, Asphalt und Beton gefangen. Wir sind von der Erde getrennt und entfernen uns täglich mehr und mehr. Wir sorgen und ärgern uns, plagen und versklaven uns und häufen an…“

Das riesige Wildnisareal Pine Barrens in New Jersey war in den 1950er und 1960er Jahren der Kinderspielplatz des jungen Tom Brown und seines besten Freundes Rick. Ricks Großvater Stalking Wolf vom Stamm der Apachen übernahm die schwierige Aufgabe, den beiden Jungen das Wissen der amerikanischen Ureinwohner zu vermitteln. Sie lernten Spurenlesen, Jagen, Fischen, Bauen und das Überleben in der Natur nach indianischem Vorbild. Tom Brown gründete als junger Mann eine eigene Survival-Schule, in der er sein von Stalking Wolf erlangtes Wissenweitergeben wollte. Nach Veröffentlichung seines Buches The Tracker, in dem es um seine Jugendjahre geht, erlangten er und seine Schule große Bekanntheit. Sein zweites Buch The Search, liegt hiermit erstmals in deutscher Übersetzung vor. Darin beschreibt Tom Brown die Philosophie, die er von den amerikanischen Ureinwohnern übernommen hat, und erzählt von seiner einzigartigen Beziehung zur Natur, die uns auch – und vielleicht gerade – heute als Vorbild dienen kann …

Botschafter*in sein
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FRIEDENS-
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